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Laufbiografie

Autorin Nicola Grote bei einem Laufwettbewerb

Laufrausch

Seit dreiunddreißig Jahren gehört das Laufen zu meinem Leben wie das Zähneputzen. Ohne Laufen fehlen meinem Körper und meiner Seele die positive Energie und Leichtigkeit.

 

Also laufe ich, wenn irgend möglich. Egal, wo ich bin. Laufen kann ich überall. Als wir mit dem Segelboot unterwegs waren, bin ich bei Sonnenaufgang vom Ankerplatz mit dem Dingi ans Ufer gefahren, um dort zu laufen. Ich brauche nur festen Boden unter den Füßen, meine Laufschuhe und schon geht’s los. Sechs Tage die Woche, mindestens eine Stunde, einen Tag Pause.

Laufen heißt für mich Loslassen. Beim Laufen und nur beim Laufen ist mein Kopf völlig leer. Ich denke an nichts. Gar nichts. Laufen ist für mich Meditation.

Ich laufe allein. Ich mag mich nicht dem Tempo anderer anpassen. Ich mag nicht mit jemanden reden, ich möchte nur bei mir sein. Ich habe auch nie ein Handy dabei, keine Stöpsel im Ohr, um Musik zu hören. Ich will für diese Zeit nicht erreichbar sein. Für niemanden und nichts. Ich liebe es, in der Natur zu laufen, besonders am frühen Morgen, wenn noch keine Läufer oder Spaziergänger unterwegs sind. Ruhe draußen und drinnen. Ich genieße es, den Himmel über mir wahrzunehmen, tiefblau und wolkenlos oder mit dahinziehenden Sommerwölkchen, mit dicken, dunklen Regenwolken, egal. Egal auch, ob ich durch den Wald laufe, mich am Vogelgezwitscher erfreue und die würzige, erdige Luft rieche oder am Strand dem Wellenrauschen lausche und die frische salzige Meeresluft inhaliere. Es geht mir gut. Ich fühle mich frei, bin ganz eins mit mir.

 

An meinem fünfzigsten Geburtstag bin ich meinen ersten Marathon gelaufen. Es blieb nicht bei dem einen. Ein Highlight war der New York Marathon, im Endorphin-Rausch über die Verrazano-Narrows Bridge zu laufen, ist schwer zu toppen. Unvergessen auch die Halbmarathons auf Martinique durch den Regenwald, begleitet vom Trommeln der Einheimischen. Ich kann sie nicht aufzählen, all die besonderen Läufe. Ich bin an so vielen schönen Plätzen dieser Welt gelaufen.  Aber jeder Lauf, auch der alltägliche, unspektakuläre ist ein Erlebnis für mich.  

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