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Hanna, Frida und der Psycho

  • Autorenbild: nicolagrote
    nicolagrote
  • 25. Mai 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Schon längst wollte ich einen neuen Blogbeitrag schreiben. Aber am zweiten April erschien mein Roman "Weil das noch nicht alles ist" als Taschenbuch und es war so mega aufregend für mich, dass ich meine Webseite vernachlässigt habe. Mit einem Mal bekam ich Mitteilungen von Freunden und Freundinnen, die mein Buch lasen, davon begeistert waren, es in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiter empfahlen, die auch begeistert waren. Und so geht es hoffentlich weiter. Großartig! Ich bekomme immer wieder Fotos geschickt, auf denen mein Buch in Buchhandlungen neben lauter tollen Autoren zu sehen ist. Unter anderem In Bremerhaven, in Paderborn, in Berlin, in Hannover, in München. Und ich erhalte so schöne Rezensionen, wie zum Beispiel diese bei Apple Books:

"Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen so sehr hat es mir gefallen und jetzt überlege ich, ob ich nicht auch mal zu so einer Tour aufbrechen sollte."

Menschen mit der Lektüre meines Buches zu erreichen und zu berühren, macht mich glücklich.


Und nun komme ich zu dem eigentlichen Thema dieses Blogs und der Überschrift zurück: Hanna, Frida und der Psycho

Für alle, die meinen Roman "Weil das noch nicht alles ist" bisher nicht gelesen haben: Hanna ist die Protagonistin, Frida heißt ihr Hollandrad , mit dem sie von Hannover nach Paris radelt und der Psycho ist der Vermieter einer schmuddeligen Unterkunft in Münster.

Das Erfinden der Nebenfiguren hat mir sehr viel Spaß gemacht. Hanna begegnet ja auf ihrem Road Trip so einigen schrägen Gestalten, aber hier geht es jetzt um den Psycho.. Ich hatte mir diese Figur vorher nicht erarbeitet. Die kam erst beim Schreiben dieser Szene, in der Hanna endlich abends völlig erschöpft in der Dämmerung am Stadtrand von Münster ankommt. In einer tristen Straße mit heruntergekommenen Häuserblöcken entdeckt sie an einer schäbigen, zweistöckigen Hausfassade ein Schild mit der verblichenen Aufschrift Fremdenzimmer. Sehr einladend sieht das nicht aus. Trotzdem klingelt Hanna. Wartet. Nichts passiert. Es gibt kein Namensschild und nur diese eine Klingel. Wenn Hanna besser in Form wäre, würde sie spätestens jetzt weiterfahren. Stattdessen lauscht sie an der verwitterten Haustür, klingelt erneut. Gerade denkt sie, ihr wird nichts anderes übrigbleiben, als sich doch nochmal aufs Rad zu quälen und eine andere Unterkunft zu suchen, da hört sie ein Knarren und die Tür öffnet sich.

Ich, als Autorin wusste bis dahin nur, in so einem gruseligen Haus kann nur ein gruseliger Typ leben. Genauere Vorstellungen von ihm hatte ich noch nicht, aber der musste irgendeine Macke haben. Und dann entstand dieser "Psycho" in meinem Kopf. Ich sah ihn wie in einem Film vor mir und schrieb los, konnte gar nicht aufhören.

Ein Mann um die vierzig mit einer Wollmütze auf dem Kopf und blondem Ziegenbärtchen steht im Türrahmen und mustert Hanna von oben bis unten.. Er trägt eine ausgebeulte graue Jogginghose, ein grünes T-Shirt mit der Aufschrift Shit happens und hat beeindruckend muskulöse Oberarme.

.»’n Abend, suchst du ein Zimmer? Allein?«

Sein stechender Blick macht Hanna Angst und mir ehrlich gesagt auch.

Doch Hanna hat nur einen Wunsch, sie will schlafen. Und so verdrängt sie alle Bedenken und schiebt Frida über einen düsteren Flur in ein muffiges, kleines Gästezimmer, Mit einem anzüglichen Grinsen überreicht der Typ Hanna den Zimmerschlüssel.

»Und der Schlüssel für die Haustür?«.

»Die wird nicht abgeschlossen.« Der Typ grinst immer noch. «Schlaf gut! Schöne Träume!», Ein Ruck geht durch seinen Körper, er steht in strammer Haltung da, hebt die rechte Hand wie zum militärischen Gruß und verschwindet aus dem Zimmer. War der beim Militär und hat ein Trauma? Hanna will sofort die Tür abschließen. Sie steckt den Zimmerschlüssel ins Türschloss, der Schlüssel lässt sich nur ein Stück umdrehen, dann klemmt er, Hanna hebt die Tür an, drückt gegen sie. Es hilft nichts, die Tür lässt sich nicht abschließen.

Beim Schreiben versetze ich mich immer so sehr in die jeweilige Situation und in die Figuren, dass ich alles für mich live miterlebe. Ich war in dem Moment genauso nervös wie Hanna und reagierte mit heftigem Bauchgrummeln. Als wenn diese Spannung nicht reichte, stellt Hanna auch noch fest, dass der Akku von ihrem Handy leer ist und welch ein Horror, es gibt tatsächlich nicht eine Steckdose in dem Zimmer. Sie könnte nicht mal die 112 anrufen. Warum hat sie nur das Zimmer genommen? Sie hätte gar nicht erst ins Haus gehen dürfen. Sie hätte weiterfahren müssen.

Hätte - Hätte - Fahrradkette.

Was nun? Was soll Hanna tun? Sie rangiert Frida vor die Zimmertür. Wenn jemand hereinkäme, würde das Rad gegen das Eisengestell vom Bett kippen und und sie davon hoffentlich wach werden. Falls sie überhaupt schlafen könnte.. Die Bauchtasche legt sie unters Kopfkissen. Das Pfefferspray ebenfalls. Es gibt keine andere Beleuchtung als diese grelle Deckenlampe. Furchtbar. Aber Hanna wagt nicht, sie auszuschalten,. In diesem gruseligen Haus, in einem Zimmer, das man nicht abschließen kann im Dunkeln zu liegen, ist ja noch furchtbarer. Sie steigt mit Klamotten ins Bett, packt nichts aus. Im Notfall könnte sie sofort abhauen. Bestimmt weiß der Psycho, dass sie die Tür nicht abschließen kann, so ekelhaft wie der gegrinst hat. Ihr Zimmer ist das erste neben der Haustür und die bleibt, wie er gesagt hat, auch in der Nacht offen. Hanna liegt mit Herzklopfen im Bett. Die Decke riecht muffig, Hanna schiebt sie auf Schulterhöhe hinunter. Eine Mücke summt an ihrem Ohr. vorbei.. Hanna zieht die Decke über die Ohren und gleich wieder zurück. Der muffige Geruch ist nicht zu ertragen. Sie schreckt von einem komischen Geräusch hoch. Sitzt mit rasendem Herzschlag senkrecht im Bett.

Beim Tippen dieser Szene gruselte es mir, der Autorin, genauso wie meiner Protagonistin Hanna. Wie sollte es weitergehen? Würde Hanna die Nacht gut überstehen?

Ich hörte auf zu schreiben, es war bereits nach Mitternacht. Ich speicherte den Text in meinem Schreibprogramm ab und schaltete den Laptop aus. .Ging ins Bett. Aber Hanna und der Psycho ließen mir keine Ruhe. Ich wälzte mich wie Hanna schlaflos auf der Matratze herum. Spürte ihre Angst, roch die abgestandene Luft in ihrem schäbigen Zimmer, horchte auf fremde Geräusche und fröstelte. Musste mir immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass ich mich nicht in Hannas misslicher Situation befand. Ich lag zuhause in meinem kuscheligen, sauberen Bett. Und ich als Autorin konnte entscheiden, was mit Hanna in ihrer grässlichen Unterkunft passierte oder auch nicht. Das ist das Schöne am Romanschreiben. Ich bestimme das Geschehen. Zumindest in der Bücherwelt. Wie cool ist das denn!

Aber meine Gedanken kamen dennoch nicht zur Ruhe und ich beschloss, Hanna käme zwar mit kaum Schlaf und viel innerem Stress, aber ansonsten unbeschadet durch die Nacht. Ich stellte mir vor, dass Hanna es am nächsten Morgen schafft, Frida unbehelligt durch die geöffnete Haustür zu schieben. Doch als Hanna erleichtert aufatmet, spürt sie hinter sich einen Atemzug im Nacken.

Ich knipste meine Nachttischlampe an, griff zum Notizbuch, das immer parat neben meinem Bett liegt und schrieb:

»Keine Panik auf der Titanic.»

Die Stimme kennt Hanna.. Ruckzuck macht sie einen Satz auf die Straße. Dreht sich um. Da ist der Psycho mit dem Ziegenbärtchen in seinem T-Shirt Shit happens und sieht sie mit diesem stechenden Blick an.

»Warum so eilig?« Ein Ruck geht durch seinen Körper, und er steht mit regungslosem Gesicht in strammer Haltung da. Tippt sich mit ausgestreckten Fingern an die Schläfe.

Zittrig steigt Hanna aufs Rad.

»Wir sehen uns!« Seine Stimme nimmt einen scharfen Ton an. »Da kannst du sicher sein.«

So schnell sie kann, tritt Hanna in die Pedale und saust davon.

Ich klappte das Notizbuch zu, legte es zurück auf den Nachttisch, knipste das Licht aus und kuschelte mich wieder unter die Bettdecke. Hanna war in Sicherheit, jedenfalls erstmal. Ob sie dem Psycho nochmal begegnen würde oder nicht, musste ich jetzt nicht entscheiden. Darüber konnte ich am nächsten Tag nachdenken. Jetzt war ich erstmal erleichtert und Hanna auch.


Für mich ist und bleibt es ein Abenteuer, einen Roman zu schreiben. Ich liebe das.

 
 
 

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